Reisetipps Elsass - Colmar - Stadtrundgang

Kopfhaus - Maison des Tétes in Colmar

Kopfhaus - Maison des Tétes in Colmar

Foto: K. Brandt

Am Unterlindenmuseum beginnen wir mit dem Stadtrundgang durch Colmar, der zu den sehenswertesten Kirchen, Gebäuden, Brunnen und Statuen führt und den Besucher in Colmar auch durch das ehemalige Gerberviertel, die Krutenau und Klein-Venedig geleitet. Begeben wir uns in südwestlicher Richtung in die Rue des Tétes. Dort stoßen wir schon nach knapp 100 Metern linker Hand auf das reichgeschmückte Kopfhaus (Maison des Tétes), einen prächtigen Renaissancebau von 1608. Das Gebäude hat einen doppelstöckigen Erker und ist bekannt wegen seiner interessanten Kopfmasken, die über die ganze Fassade verteilt sind. Heute wird in dem Gebäude ein ausgezeichnetes Restaurant unterhalten.
Am Ende der Rue des Tétes biegen wir links in die Rue des Boulangers ein. Dort liegt die Dominikanerkirche (Église des Dominicains). Der Grundstein der fast quadratischen Kirche war lange Zeit geistliches Zentrum Colmars und birgt die von Martin Schongauer (1473) geschaffene Madonna im Rosenhag.
Wir überqueren die Place de la Cathédrale südöstlich. Im Herzen der alten Stadt stoßen wir auf das Sankt-Martins-Münster. Der heutige dritte Kirchenbau ist zwischen 1230 und 1400 auf den Resten einer romanischen Kirche errichtet worden. Auffallend sind die buntglasierten Dachziegel.
Das Säulenportal des südlichen Querhauses zeigen farbigen Reliefs das Weltgericht und die Nikolauslegende. Der hohe, dämmerige Innenraum, der während der Französischen Revolution (1792) den größten Teil seiner Ausstattung verloren hat, enthält noch Spuren alter Wandmalereien, wie die der Colmarer Madonna, Nikolaus-Darstellungen sowie schöne Fenster aus dem 14. Jahrhundert.
Im Kern der Altstadt lässt man sich von der Harmonie der alten Plätze verzaubern. Kein Haus ist wie das andere, die gewachsene Architektur wirkt in ihrer lebendigen Ruhe viel stärker auf uns als alles Neue. An der Südseite des Münsterplatzes fällt besonders die alte Stadtwache und Gerichtslaube (Ancien Corps de Garde) auf. Das Renaissanceportal der Hauptfassade wird von einer antikisierenden Büste bekrönt, während die Brüstung der Loggia über dem Portal mit Masken und Wappen geschmückt ist. Fünf offene Bögen mit Säulen davor tragen ein baldachinartiges Netzgewölbe.
Linker Hand steht das Haus Adolphe mit seinen gotischen Maßwerkfenstern. Es ist das älteste Gebäude in Colmar und datiert um 1350, wurde später allerdings in der Bausubstanz stark verändert.
Nun gehen wir rechts in die Rue du Merciére und gelangen an der Ecke der Rue des Marchands zum Pfisterhaus (Maison Pfister). Das prächtige Haus von 1537 mit angebautem Treppentürmchen, Erker und gedrechselten Holzgalerien wurde im Auftrag des Hutmachers Louis Scherer aus Besançon gebaut. Der kunstvoll ausgearbeitete Erker mit Spitzdach und Medaillons von drei Kaisern, die vier Evangelisten und Szenen aus dem Alten Testament verleihen ihm einen mittelalterlichen Charakter, der es zum schönsten Bürgerhaus des Elsass erhebt.

Koifhus Colmar

Koifhus Colmar

Foto: K. Brandt

Gleich gegenüber dem Pfisterhaus stoßen wir in der Rue des Marchands Nr. 30 auf das Geburtshaus des Bildhauers Frédéric Auguste Bartholdi (1834 1904). Er war u. a. der Schöpfer der Freiheitsstatue von New York, des Löwen von Belfort und des Schwendi-Brunnens hinter dem alten Kaufhaus in Colmar. Das Haus ist jetzt Bartholdi-Museum, in dem viele seiner Werke als Original oder Entwurf zu besichtigen sind. Unweit davon steht in der Rue Schongauer Nr. 2 das gotische Haus zum Schwan (Maisonnette au Cygne) von 1480. In dieser Straße soll Martin Schongauer im Haus Nr. 6 geboren sein.
Wir gehen die Rue des Marchands nun in südöstlicher Richtung weiter und stoßen, bevor wir zur Grand Rue kommen, auf einen der schönsten Plätze Colmars, den Obstmarkt (Marché-aux-Fruits).
Dort steht rechts in einer besonders hübschen Gruppe von Fachwerkhäusern das Haus zum Roten Hufeisen (Maison au Fer Rouge), in dem heute ein ausgezeichnetes Speiselokal untergebracht ist.
Einer der Hauptanziehungspunkte Colmars ist wohl das gegenüberliegende Alte Kaufhaus oder Koifhus (Ancienne Douane) aus dem Jahre 1480. An der Vorderseite dominiert eine überdeckte Außentreppe, von der man einen schönen Überblick über den ganzen Platz gewinnt. Man geht durch die Laubenhalle, um sich die interessante Rückseite anzusehen. Im Mittelalter diente das Koifhus als Lagerhaus der Colmaer Kaufleute, in dem die eingeführten Waren bis zur Erhebung des Einfuhrzolles zwischengelagert wurden. Im Prunksaal des Obergeschosses versammelten sich turnusmäßig die Vertreter des Zehnstädtebundes (1354 1788), woran heute noch die schönen Wappenfenster erinnern.
Der schöne Place de l Ancienne auf der Rückseite wird beherrscht von dem Schwendi-Brunnen, einem Werk Bartholdis von 1897. Über dem Brunnen thront die Statue des Feldherrn Lazarus von Schwendi (1522 -1584). Als Heerführer Kaiser Karl V. erhielt er 1565 für seine Kampfeinsätze als Belohnung die Hohlandsburg. Er war darüber hinaus Diplomat und Genießer und zählt wohl zu den volkstümlichsten Gestalten im Elsass. Ihm wird nachgesagt, dass er die Tokajer-Rebe aus Ungarn mitgebracht und im Elsass eingeführt habe. Rund um den Schwendi-Brunnen herrscht an den Marktvormittagen reges Treiben.
Unser Rundgang wird vom Obstmarkt aus in südöstlicher Richtung durch die Rue des Tanneurs, am gleichnamigen Kanal entlang, fortgesetzt. Wir gehen durch das alte Viertel der Ledergerber (Quartier des Tanneurs). Der Wasserlauf war einst zur Bearbeitung und Reinigung der Häute unentbehrlich. Dieser, im letzten Jahrhundert dem Verfall preisgegebene Stadtteil wurde zwischen 1966 und 1975 aufwendig restauriert und erlebt nun seine zweite Blüte. Wir kommen bald zur überdachten Markthalle von 1870 mit einer Gusseisen-Konstruktion, und biegen dort rechts ab. Nach der Markthalle steuern wir links der Lauch entgegen. An der Ecke Rue des Vignerons/Rue des Ecoles stoßen wir auf den Winzerbrunnen von Bartholdi, der auch Rabmannla genannt wird. Er stellt einen sitzenden Weinbauern dar, der aus einem Weinfässchen trinkt. Wir gehen über die Brücke und rechts abzweigend zur Fischermole (Quai de la Poisonnerie). Während wir an der Lauch entlangspazieren, wird unser Blick von den malerischen Fachwerkhäusern der Krutenau gefangen. Hier war einst ein bedeutendes Zentrum für den Fischfang und die Verarbeitung des Fisches aus der Lauch. Am Ende des Quais erweitert sich die schmale Straße zu einem Platz, auf dem früher die Gemüsehändler Markt hielten.

Colmar - Klein Venedig

Colmar - Klein Venedig

Foto: K. Brandt

In der Rue de Turenne, wo sich auch das Naturhistorische Museum befindet, werfen wir von der kleinen Tränkbrücke einen ersten Blick auf das wunderschöne Klein-Venedig (Petite Venise) und die romantische Lauch. Am Fluss laden romantische Restaurants zum Verweilen ein. In der Nähe der Tränkbrücke treffen wir auf die Rue de la Herse, die hier abzweigt; am Ende des schmalen Sträßchens geht ein Weg hinab zum Ufer der Lauch, der am Restaurant "Cafeau St-Pierre" vorbeiführt. Ein kurzes Stück direkt am Fluss, an alten Fachwerkhäusern mit dazwischen-stehenden Weiden entlang, und man steigt die kleine Treppe zum Pont St-Pierre hinauf. Von der Brücke bietet sich der schönste Blick auf Klein-Venedig mit der Martinskirche im Hintergrund.
Ein kurzes Stück über den Boulevard St-Pierre, dann biegen wir rechts in die Rue du Manége ein, eine Straße mit vielen eindrucksvollen Gebäuden aus vergangener Zeit. Wir befinden uns nun links der Lauch und gelangen bald zum schönen "Hotel Maréchal", heute ein Romantikhotel. Davor am Schwarzenbergplatz stoßen wir auf Bartholdis Roesselmann-Brunnen. Als Schultheiß von Colmar verteidigte Roesselmann die Stadt gegen den Bischof von Straßburg und wurde dabei 1262 getötet. Von hier setzt man den Rundgang geradeaus auf der Rue de Jean fort, die an den heiligen Johannes von Jerusalem erinnert, und gelangen zum Johanniterhaus/Maison des Chevaliers de St-Jean. Das 1608 im venezianischen Stil errichtete Gebäude beeindruckt wegen seiner schönen dreistöckigen Loggia. Die Straße mündet in den Obstmarkt. Hier besichtigen wir das Haus Kern von 1594 mit hohem Volutengiebel sowie das in rotem Sandstein errichtete Gerichtsgebäude (Tribunal Civil), wo das oberste elsässische Justizamt im 18. Jahrhundert untergebracht war.
Der letzte Teil dieses Stadtspazierganges wird auf der Grand`Rue, am Alten Kaufhaus und dem Renaissancebau Maison Sandherr vorbei, in nördlicher Richtung fortgesetzt. Da steht rechter Hand in der Grand Rue Nr. 15 auch schon der repräsentative Renaissancebau des Arkadenhauses (Maison des Arcades), das durch den dreistöckigen Erker, seine Volutengiebel und den Laubendurchgang auffällt. Es wurde 1606 zusammen mit dem Johanniterhaus von dem Architekten Albrecht Schmidt gebaut. Bald folgt die Kirche St-Matthieu, eine Franziskanergründung, deren Glockenturm von 1575 stammt. Die heute protestantische Kirche zeichnet sich durch die schlichte Einfachheit des Innenraumes aus. Glanzstück des Gotteshauses sind das Presbyterium von 1708 und die Fenster aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Eine Orgel von Andreas Silbermann (1732) vervollständigt das Gesamtbild. Ganz in der Nähe steht an der Place du 2 Février das alte Spital/Ancien Hôpital, ein weitläufiger Bau mit zwei Flügeln aus dem 18. Jahrhundert.
Vom Jeanne-d Arc-Platz sollte man noch einen kleinen Abstecher in die Rue des Chasseurs machen, wo uns nochmals interessante Fachwerkhäuser und das typische Restaurant des Chasseurs erwarten. Dann treten wir den Rückweg zum Unterlindenmuseum durch die Rue des Clefs (Fußgängerzone) an, die heute eine der wichtigsten Einkaufsstraßen Colmars ist. Inmitten dieser Straße kommen wir am Gerichtshof der ursprünglichen Zisterzienserabtei von Paris vorbei, die seit 1866 Sitz der Gebietspräfektur und später Rathaus war.
Neben den zahlreichen Kunstschätzen und der liebenswerten Altstadt hat Colmar aber auch eine überaus reizvolle Umgebung. Die Stadt ist ein vorzüglicher Ausgangspunkt für Ausflüge in die Vogesentäler und zu zahlreichen Wandergebieten.

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