Reisetipps Elsass - Stadtrundgang Mulhouse

Europaturm Mulhouse

Europaturm Mulhouse

Foto: Jipéto / wikimedia

Heute herrscht in Mulhouse ein modernes Stadtbild vor, nur wenige Relikte aus der langen Geschichte sind geblieben. Zentraler Punkt ist der Place de la Réunion. Der Name "Einheitsplatz" erinnert daran, dass hier 1798 der Zusammenschluss mit Frankreich vollzogen wurde. Auf dem Platz zeigt eine Säule den Sonnenstand an. Diese "Colonne Lambert" ist dem Philosophen, Mathematiker, Kartografen und Kosmostheoretiker Johann Heinrich Lambert (1728-1777) gewidmet, der 1728 in Mulhouse geboren wurde. Er war auch Mitglied der Berliner Wirtschaftsakademie. Um den Marktplatz gruppieren sich das Rathaus, die Stephanskirche und Bürgerhäuser aus dem 19. Jahrhundert.
Das Renaissance-Rathaus aus dem Jahr 1552 ist mit einer auffallenden Fassadenmalerei, allegorischen Figuren und illusionistischen Elementen sowie einer überdachten Doppeltreppe geschmückt. Zwei Löwen halten das Stadtwappen. Im Inneren gibt es einen pompösen Ratssaal, ein mit Renaissance-Möbeln eingerichtetes Vorzimmer mit einer barocken Holzbalkendecke und das historische Museum. An der Seitenfassade des Rathauses hängt die Replik des schweren Klappersteins (Original im historischen Museum), der Klatschmäulern und Verleumdern umgehängt wurde, wenn man sie an Markttagen durch die Straßen trieb. Die Glasfenster aus dem 17. Jahrhundert mit den Wappen der Schweizer Kantone erinnern an die Zugehörigkeit zur Eidgenossenschaft.
Die romanische Stephanskirche, der Temple St. Etienne, wurde im 19. Jahrhundert abgerissen und 1866 im neugotischen Stil wieder aufgebaut. Die Glasfenster (1330), das Renaissance-Chorgestühl und die Silbermann-Orgel stammen noch von dem ursprünglichen Bau. Die Kirche dient heute auch als Ausstellungsraum. Erhalten sind ebenfalls die Überreste der im 19. Jahrhundert abgetragenen Stadtbefestigung mit drei modernisierten Türmen.
Als nächstes kommen wir zum Tour du Bollwer aus dem 14. Jahrhundert. Der 100 m hohe Europaturm, der Tour de l'Europe, wurde 1966 vom Mulhouser Architekten François Spoerry erbaut. Im 13. Stock befindet sich ein Panorama-Drehrestaurant. Von hier bietet sich eine gute Aussicht auf die Stadt, bei klarem Wetter sogar bis zu den Alpen. Der Place de l'Europe ist mit den Wappen europäischer Großstädte gepflastert.

Dom in Mulhouse

Dom in Mulhouse

Foto: Paul-Georg Meister / pixelio.de

In der Rue des Franciscains (Barfuessergass), residierte einst der Adel. Die Straßen in diesem Viertel sind zweisprachig beschriftet; die wörtliche französische Übersetzung entspricht hierbei oft nicht der elsässischen Bezeichnung. Hier wurden im 18. Jahrhundert Manufakturen und Bürgerhäuser erbaut. Nr. 42, das Maison L wenfels, ist ein Rokoko-Palais aus dem 18. Jahrhundert; hier wohnte einer der Begründer der Textilmanufaktur, Jacques Feer. Den Cour de Chanes (Kettenhof) aus dem 16. Jahrhundert ziert ein modernes Wandgemälde zur Stadtgeschichte.
Das Musée Lapidaire zeigt Skulpturen und romanische Baukunst in der gotischen St-Jean-Kapelle, der Johanneskapelle. Sie wurde 1269 vom Johanniterorden erbaut, seit Ende des 19. Jahrhundert steht sie unter Denkmalschutz. In der Kapelle stellen Fresken aus dem 16. Jahrhundert Johannes den Täufer dar.
Der Tour Nessel und der Tour de Diable (Nessel- und Teufelsturm) sind Überreste der Stadtbefestigung. Das Bâtiment Annulaire in der Avenue Clémenceau, erhielt 1955 den Architekturpreis von Rom. Am Square de la Bourse erstrecken sich Arkadengänge. Vorbei am Musée de l'Impression sur Etoffes erreichen wir den Parc du Tivoli. Hier erhebt sich eine mächtige, über 5 m hohe Statue eines Mulhausener Arbeiters, der "Schweißdissi" von Fritz Beer, der ursprünglich für die Place de la Réunion gedacht war. Am Rebberg stehen die Villen der einstigen Industriebarone aus dem 19. Jahrhundert.

Von hier aus geht es auf dem Boulevard Gambetta zum Parc Zoologique et Botanique, dem Zoologischen und Botanischen Garten. Vorbei am Theater, im Stil des Second Empire erbaut, und am Musée des Beaux-Arts kehren wir zu unserem Ausgangspunkt zurück.
Zu Beginn des 19. Jahrhundert entstand das Nouveau Quartier, das erste Viertel außerhalb der Mauern am Rhein-Rhône-Kanal. Am Umgehungskanal der Ill liegt die frühere Gartensiedlung der Arbeiter (Mitte 19. Jahrhundert). Um die neogotische Josephskirche, die nach dem Arbeiterschutzpatron benannt ist, gab es schon früh sozialen Wohnungsbau. Dieser konzentrierte sich vor allem in der Rue des Oiseaux und in der Cité. Arbeiter konnten so zu Eigentümern eines Häuschens werden. Es bestanden damals auch schon öffentliche Gemeinschaftseinrichtungen. Große Unternehmer wie DeDietrich, Hartmann, K chlin oder Schlumberger versorgten ihre Arbeiter gut.
Multikulturell geht es heute am Marché du Canal Couvert, wo die Nachfahren der Mulhausener Arbeiter der ersten Generation von spanischer, italienischer und nordafrikanischer Abstammung harmonisch miteinander leben.
Vom 165 m hohen Fernsehturm von Mulhouse hat man eine tolle Aussicht über die Stadt, die Rheinebene, die Vogesen und die schneebedeckten Schweizer Alpen. Schön ist auch der Blick vom Aussichtsturm Belvédère beim Zoo.

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