Reisetipps Elsass - bemerkenswerte Geschichte Strasbourgs

Ein reiches Kulturerbe

Straßburg ist eine Kunstmetropole, deren Kulturerbe gut erhalten ist. Jedes Stadtviertel, jedes Bauwerk legt ein harmonisches Zeugnis ab von einer bemerkenswerten Stadtgeschichte, die 1988 ihr 2000-jähriges Jubiläum feierte und von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde.

Im Jahr 12 v. Chr. bestand der ursprüngliche Stadtkern aus einem römischen Lager namens Argentoratum. Durch die Rue du Dôme und die Rue des Juifs, vormals Hauptstraße und Prätorianerstraße, zogen seinerseits die Legionen Cäsars.

Altes Zollhaus

Altes Zollhaus

Foto: Christoph Hamm - OT Strasbourg

Im Mittelalter war Straßburg eine freie Stadt des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, die anfangs von den Bischöfen, später dann von den Bürgerzünften regiert wurde.

Zwischen dem XI. und dem XV. Jhr. wurde das Münster, das Wahrzeichen der Stadt, errichtet. Noch heute legt es ein beredtes Zeugnis ab über eine Zeit, in der die Kunst im Dienst des Glaubens stand. Umgeben ist es von winkeligen Gassen, die den Namen von Gilden und alten Märkten tragen, und von denen ein mittelalterliches Flair ausgeht. Ganz in der Nähe werden Sie bei Ihrem Rundgang auf historische Gebäude stoßen, die einen trefflichen Eindruck vom öffentlichen Leben der damaligen Zeit vermitteln, wie das Haus der Oeuvre Notre-Dame, das im Zusammenhang mit dem Bau des Münsters entstand. Früher Sitz der Steinmetzgilde befindet sich in seinen Räumlichkeiten heute eines der schönsten Museen Frankreichs, das u. a. die Kunst der mittelalterlichen Statuen in den Mittelpunkt stellt. Und direkt am Ill-Ufer liegt die Ancienne Douane, ein imposantes Gebäude mit Zinnen und Giebeln, das die schon damals rege Handelstätigkeit der Stadt veranschaulicht, diente es doch früher als Warenlager. Die Türme der Ponts Couverts ("überdachte Brücken") sind die bemerkenswert erhaltenen Überreste der Befestigungsanlage, die Straßburg im Mittelalter umgab, und durch welche die Verteidigung dieser freien Stadt gewährleistet wurde.

Es gab zahlreiche Kirchen im Mittelalter: die Kirche St-Etienne, deren Chor und Querschiff auf das XII. Jhdt. zurückgehen; St-Thomas, die nach dem Münster größte Kirche, eine protestantische Hallenkirche, welche zwischen dem XII. u. XIV. Jhdt. errichtet wurde und deren Chor das Grabmal des Marschalls von Sachsen enthält (ein Werk von Pigalle), St-Pierre-le-Vieux, zugleich katholisch und evangelisch (XII.-XV. Jhdt.); St-Pierre-le-Jeune (XII.-XIV. Jhdt.), mit dem schönen Lettner und Kreuzgang; die Kirche St-Guillaume, die 1301 geweiht wurde; und St-Nicolas, im XIV. Jhr. neu restauriert...

Straßburg als Mittelpunkt humanistischen und reformatorischen Gedankenguts

Das ausgehende Mittelalter, und insbesondere das XVI. Jahrhundert, waren die Epoche eines regen geistigen Lebens. Straßburg wurde zu einem Mittelpunkt humanistischen und reformatorischen Gedankenguts, dessen Inhalte durch die Erfindung des Buchdrucks, welcher von Gutenberg im Rahmen seines Straßburgs Aufenthaltes entwickelt wurde, eine größere Verbreitung fanden.

Erhalten sind auch schöne Renaissancebauten wie die frühere Grande Boucherie ("Große Metzgerei"), die Industrie- und Handelskammer, das Kammerzell-Haus, die Hostellerie du Corbeau, sowie das Gerber- und Müllerviertel, Kleine Frankreich genannt, mit seinen Dachschrägen und den Bogenspeichern.

Ludwig XV., Marie-Antoinette, Mozart und Goethe zu Gast in Straßburg…

Der Palais Rohan

Der Palais Rohan

Foto: Philippe De Rexel - OT Strasbourg

1681 wurde Straßburg französisch, was mit einer bedeutenden politischen, aber auch religiösen und geistig-ästhetischen Neuerung einherging. Straßburg, nunmehr „königliche freie Stadt“, verlor zwar seinen autonomen Status größtenteils, wurde aber Regionalhauptstadt, da die Hohe Militärkommandatur und die Militärintendantur Elsass unter anderen hier ihren Sitz nahmen. Mit unvorstellbarem Prunk wurde die Ankunft von Ludwig XV. und von Marie-Antoinette in Straßburg gefeiert. Mozart gab hier eine Reihe von Konzerten, und Goethe war einer der berühmtesten Studenten der bedeutenden Straßburger Universität.

Allerorts wurden schmucke Patrizierhäuser im Pariser Stil erbaut. Viele dieser Stadtresidenzen liegen im Bereich von Broglie-Platz und Rue Brûlée : das Hôtel Klinglin (heute Hôtel des Präfekten), Hanau-Lichtenberg (heute das Rathaus), das Hôtel de Deux-Ponts (derzeit das Hôtel des Militärkommandeurs), das Hôtel du Grand Doyenné (derzeit Sitz des Erzbischofs)... Aber das unzweifelhaft prächtigste Bauwerk ist das Rohan-Palais, das nach den Plänen von Robert de Cotte, einem der Architekten von Versailles, erbaut wurde, und seinen Namen der Dynastie von vier Fürstbischöfen, den Kardinälen de Rohan, verdankt, die hier bis 1789 ihren Sitz hatten.

Hier entstand die französische Nationalhymne…

Die Revolution von 1789 sowie die napoleonischen Kriege trugen zur weiteren Integration Straßburgs in die französische Nation bei. Und hier komponierte Rouget de l'Isle 1792 das Lied der französischen Rheinarmee, das später die Nationalhymne Marseillaise werden sollte!

Während der Zugehörigkeit zum deutschen Reich (1871-1918) verdreifacht sich die Fläche der Stadt, die in Richtung Norden und Osten erweitert wird. Der damals vorherrschende architektonische Stil spiegelt den historischen Eklektizismus des Endes des XIX. Jhdts. wider: offiziell-repräsentative Bauten (Palais du Rhin, Präfektur, Bibliothek, Universität), Kirchen St-Paul und St-Maurice, zahlreiche Schulen... und einige schöne Fassaden, die von der kurzen Blüte des Jugendstils um die Jahrhundertwende zeugen.

Ein grenzüberschreitender Ballungsraum...

„Die Stadt Straßburg“, sagte Le Corbusier, „ist stark gewachsen“.

Zahlreiche international renommierte Architekten haben die Stadt im Laufe der Jahre in der Gegenwart verankert. Das Hôtel du Département von Claude Vasconi (1989), das Menschenrechtsgebäude von Richard Rogers (1995), das Europaparlament von Architecture Studio (1999), die multimodale Endhaltestelle in Hoenheim mit den klaren Linien von Zaha Hadid (2001), die Brücke der zwei Ufer von Marc Mimram (2004), die riesige Glaskonstruktion des Hauptbahnhofs von J. M. Duthilleul und E. Tricaud (2007) und der Zénith von Massimiliano Fuksas (2008) sind nur einige Beispiele für die symbolträchtige Architektur des modernen Straßburg.

Ein umfangreiches Stadtentwicklungsprojekt im Osten Straßburgs mit Fokus auf den Rhein und Deutschland wurde in den letzten Jahren nach dem Vorbild der Entwicklung großer Städte wie Lyon, Nantes oder Hamburg in Angriff genommen. Die Lebensader dieses neuen Stadtteils soll die verlängerte Straßenbahnlinie D werden, die Straßburg Ende 2017 über eine neue Rheinbrücke mit der deutschen Kleinstadt Kehl verbinden soll.

Die Stadt Straßburg ist auch darum bemüht, ihr industrielles Erbe und ihren Hafen neu zu erschließen. Die Neugestaltung des Gebiets rund um das ehemalige Lagerhaus Seegmuller (Schiffsausrüstung) ist in dieser Hinsicht beispielhaft. Eine hochmoderne Mediathek, das Herzstück der neugestalteten ehemaligen Brachflächen zwischen Straßburg und dem Rhein, wurde 2008 eingeweiht (Architekten: Jean-Marc Ibos und Myrto Vitart). In Erinnerung an den früheren Hafenbetrieb wurden zwei große Kräne erhalten und restauriert, die dem Viertel ein ganz besonderes Flair verleihen. Neue Öko-Viertel entstehen, die Stadtentwicklung, Ressourcenschonung und Umweltschutz miteinander verbinden.

Straßburg ist eine Metropole europäischer Größenordnung,
die sich den Charme einer Stadt erhalten hat, in der es sich gut leben lässt...

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