Geschichte und Charme
Seinen Namen erhielt das Viertel im 16. Jahrhundert, als hier ein Hospital für an Syphilis erkrankte Söldner stand. Bald siedelten sich entlang der Ill Gerber, Müller und Fischer an, deren Handwerk das Viertel bis heute prägt.
Die meisten Häuser stammen aus dem 16. und 17. Jahrhundert: Auf massiven, gemauerten Erdgeschossen erheben sich zwei bis drei Stockwerke in traditioneller Fachwerkbauweise, darüber die steilen Dachböden, in denen einst Leder und Tierhäute zum Trocknen ausgelegt wurden.
Kanäle, Brücken und Fotomotive
Vier Kanäle durchziehen das Viertel, kleine Brücken verbinden die Gassen – jeder Blickwinkel bietet ein neues Fotomotiv. Besonders beliebt ist der Place Benjamin Zix, das lebendige Herz der Petite France, von dem aus sich die schönsten Perspektiven auf das Wasserlabyrinth eröffnen.
Heute erleben
Heute ist La Petite France ein Hotspot für Besucher: Cafés und Restaurants laden zum Verweilen ein, die Uferwege sind perfekt für einen Spaziergang, und in den Abendstunden verwandelt sich das Viertel in eine stimmungsvolle Kulisse mit beleuchteten Fachwerkfassaden.
Tipp: Am schönsten wirkt das Gerberviertel früh am Morgen oder in der Dämmerung – dann spiegeln sich die Häuser im Wasser und die besondere Ruhe der Kanäle entfaltet ihren ganzen Zauber.
Leben am Wasser – Gerberei, Gestank & Architektur
La Maison des Tanneurs – einst Gerberhaus, heute uriges Restaurant mit elsässischer Küche im Herzen von Petite France.
La Petite France war im Mittelalter kein romantisches Viertel, sondern ein Ort harter Arbeit. Entlang der Ill arbeiteten Gerber, Müller und Fischer, die das Wasser für ihre Tätigkeiten benötigten. Vor allem die Gerberei galt als schmutziges und stark riechendes Gewerbe: Bei der Verarbeitung der Tierhäute kamen unter anderem Urin, Kalk und tierische Fette zum Einsatz – der Gestank gehörte zum Alltag. Deshalb wurden Gerberviertel bewusst an den Rand der Stadt und ans Wasser verlagert.
Die markante Architektur der Häuser entstand aus dieser Arbeitssituation heraus. Massive steinerne Erdgeschosse schützten vor Hochwasser, darüber erhoben sich mehrere Stockwerke in Fachwerkbauweise. Die hohen, gut belüfteten Dachböden dienten dazu, Leder und Häute zu trocknen, offene Galerien und große Fenster sorgten für Luftzirkulation. Wurden die Häute dabei nicht sorgfältig befestigt, konnte es passieren, dass Gerber ihre Felle sprichwörtlich „davonschwimmen“ sahen – im wahrsten Sinne des Wortes.
Heute wirkt La Petite France idyllisch und fast märchenhaft. Hinter den fotogenen Fachwerkfassaden verbirgt sich jedoch die Geschichte eines Arbeitsviertels, dessen Erscheinungsbild bis heute vom Zusammenspiel aus Handwerk, Wasser und mittelalterlicher Stadtplanung geprägt ist.
Mehr entdecken in Strasbourg
Das Gerberviertel ist nur eine der vielen Facetten Strasbourgs. Gleich nebenan erhebt sich das imposante Strasbourger Münster, das mit seiner Turmspitze weit über die Stadt ragt. Ein Bummel durch die Neustadt, UNESCO-Welterbe mit ihren großzügigen Boulevards, zeigt Strasbourg von seiner prachtvollen Seite.