Soufflenheim – Töpferstadt am Haguenauer Wald
Die Geschichte der Keramik reicht in der Gegend weit zurück. Archäologische Funde aus Grabhügeln im Haguenauer Wald belegen bereits keramische Arbeiten in der Bronzezeit. Dass sich das Töpferhandwerk gerade hier entwickeln konnte, ist kein Zufall: Tonhaltiger Boden, Wasser und Holz aus den umliegenden Wäldern boten gute Voraussetzungen für die Herstellung.
Bis heute ist der Ton aus dem Haguenauer Wald eng mit der Soufflenheimer Töpferei verbunden. Typisch sind die farbenfrohen Keramiken, darunter Terrinen, Schüsseln sowie Formen für Baeckeoffe oder Gugelhupf. Daneben entstehen längst auch moderne Dekore und neue Formen. Die Betriebe zeigen damit sehr schön, dass traditionelles Handwerk nicht zwangsläufig stillstehen muss.
Die Legende von Barbarossa und dem Ton aus dem Wald
Mit dem Tonabbau verbindet sich in Soufflenheim eine alte Überlieferung. Der Legende nach soll Kaiser Friedrich I. Barbarossa den Töpfern im 12. Jahrhundert das Recht gewährt haben, den für ihr Handwerk benötigten Ton im Haguenauer Wald frei zu gewinnen.
Davon werden sogar zwei Geschichten erzählt: Nach der einen rettete ein Töpfer den Kaiser während einer Jagd vor einem Wildschwein. Nach der anderen soll Barbarossa mit dem Privileg auf eine Krippe aus Tonfiguren reagiert haben, die ihm die Töpfer geschenkt hatten. Das Pergament, das dieses Recht belegt haben soll, sei beim Brand des alten Rathauses im Jahr 1622 verloren gegangen. Gesichert ist diese Geschichte nicht – sie gehört zur Überlieferung rund um das Soufflenheimer Töpferhandwerk.
Vom Ton zum fertigen Gefäß
Hinter einem fertigen Stück Keramik stecken zahlreiche Arbeitsschritte. Der Ton wird vorbereitet und geformt, anschließend folgen je nach Werkstück Grundierung, Dekoration und verschiedene Trockenphasen. Nach dem Glasieren kommt die Keramik schließlich in den Brennofen.
Viele der typischen Blumen, Herzen, Ornamente oder Störche werden von Hand aufgetragen. Trotzdem sieht Soufflenheimer Keramik längst nicht überall gleich aus. Manche Werkstätten bleiben traditionellen Farben und Formen eng verbunden, andere entwickeln neue Kollektionen und greifen moderne Gestaltungsideen auf.
Besonders interessant sind Betriebe, die alte Arbeitstechniken bewusst erhalten. Die Broschüre „Rund um die Töpferscheibe“ stellt beispielsweise eine Werkstatt vor, in der noch mit einer traditionellen Methode gearbeitet wird, die andernorts kaum noch zu finden ist. Eine andere Töpferei hat einen Holzofen nach historischem Vorbild nachgebaut und brennt darin einen Teil ihrer Produktion.
Elchinger – wenn Keramik zur Kunst wird
Dass Soufflenheim weit mehr hervorgebracht hat als Koch- und Backformen, zeigt die ehemalige Manufaktur Elchinger. Sie wurde 1834 gegründet und erlangte mit ihren Arbeiten unter anderem im Jugendstil, im Art déco und in der religiösen Kunst einen weit über den Ort hinausreichenden Ruf.
Auch in Soufflenheim selbst haben die Keramiker der Familie Spuren hinterlassen. Dazu gehören religiöse Arbeiten und Keramikskulpturen. Werke aus der Manufaktur sind außerdem im Historischen Museum von Haguenau zu sehen. Nach rund 200 Jahren stellte die Töpferei 2016 ihre Tätigkeit ein.
Gerade diese Geschichte zeigt, wie breit das Spektrum der Soufflenheimer Keramik war und ist – vom Gebrauchsgegenstand bis zum Kunstobjekt.
Betschdorf – grau-blaue Keramik mit langer Tradition
Nur wenige Kilometer von Soufflenheim entfernt sieht die traditionelle Keramik plötzlich ganz anders aus. Betschdorf ist für sein graues Steinzeug mit kobaltblauer Verzierung und Salzglasur bekannt.
Die Töpfertradition in Betschdorf reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Einen wichtigen Einfluss hatte später die aus dem Westerwald stammende Technik des Hochtemperaturbrandes. Wie bedeutend das Handwerk für den Ort zeitweise war, zeigt ein Blick ins Jahr 1865: Damals gab es in Betschdorf 60 Töpfereien mit rund 400 Beschäftigten.
Beim Brennen bei etwa 1.300 °C erhält das Steinzeug seine feste Struktur. Durch die Salzglasur entsteht die charakteristische dichte und leicht glänzende Oberfläche. Das typische Kobaltblau hebt sich deutlich vom grauen Grund ab und macht die klassische Betschdorfer Keramik unverwechselbar.
Ursprünglich waren die Gefäße vor allem Gebrauchsgegenstände. Heute spielt die dekorative Keramik eine deutlich größere Rolle. Gleichzeitig haben die Töpfer ihre Formen und Farben weiterentwickelt und verbinden damit überliefertes Wissen mit neuen Gestaltungsideen. Genau diese Mischung ist auch auf den aktuellen Aufnahmen der Alsace Verte gut zu erkennen: Neben klassischem grau-blauem Steinzeug stehen moderne Formen und Dekore.
Zwei Orte – zwei unterschiedliche Keramiktraditionen
Obwohl Soufflenheim und Betschdorf nur wenige Kilometer voneinander entfernt liegen, haben sich zwei sehr unterschiedliche Töpfertraditionen entwickelt.
Soufflenheim steht vor allem für farbenfrohe Keramik und Gefäße, die traditionell häufig zum Kochen und Backen verwendet werden. Die bekannten Baeckeoffe- und Gugelhupfformen gehören ebenso dazu wie Schüsseln, Terrinen und dekorative Stücke.
Betschdorf ist dagegen geprägt vom grau-blauen, salzglasierten Steinzeug. Ursprünglich standen hier robuste Gebrauchsgefäße im Mittelpunkt, bevor dekorative Keramik zunehmend an Bedeutung gewann.
Gerade dieser Unterschied macht es spannend, beide Orte kennenzulernen. Man entdeckt zwei Seiten eines Handwerks, das im Nordelsass über Generationen weitergegeben wurde und sich trotzdem immer wieder verändert hat.
Töpferhandwerk im Elsass erleben
Das Schöne an dieser Tradition: Sie lässt sich nicht nur hinter Museumsvitrinen betrachten. In Soufflenheim öffnen mehrere Töpfereien ihre Werkstätten für Besucher. Je nach Betrieb sind freie Besichtigungen, Führungen oder Workshops möglich. Da sich Angebote und Öffnungszeiten ändern können, lohnt sich vor dem Besuch ein Blick auf die aktuellen Angaben der einzelnen Werkstätten.
Eine gute Möglichkeit, den Ort und seine Töpfergeschichte miteinander zu verbinden, bietet die Entdeckungstour „Rund um die Töpferscheibe“. Der rund 3,5 Kilometer lange Rundweg führt durch Soufflenheim zu Werkstätten, ehemaligen Manufakturen, Fachwerkhäusern und weiteren Spuren des Töpferhandwerks.
In Betschdorf erzählt das Töpfermuseum die Geschichte der örtlichen Keramik und ihrer Herstellung. Neben historischen Gefäßen vermitteln Werkstattbereiche und Ausstellungen einen Eindruck davon, wie eng das Handwerk über lange Zeit mit dem Leben des Ortes verbunden war.
So bleibt die elsässische Töpferei heute mehr als ein schönes Souvenir. In Soufflenheim und Betschdorf lässt sich erleben, wie aus regionalen Rohstoffen, überliefertem Wissen und neuen Ideen ein Handwerk entstanden ist, das bis heute unverkennbar mit dem Nordelsass verbunden ist.