Geschichte Mulhouse

Zum ersten Mal wird Mulhouse im Jahre 803 unter dem Namen Mulinhuson (Häuser der Mühle) erwähnt und wurde der Legende nach um eine Mühle herum gegründet. Mulhouse, das seit seiner Gründung dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation angehörte, erhielt 1308 den Reichsstadtstatus, unterstand damit direkt der kaiserlichen Gewalt und schloss sich 1354 der Dekapolis an, einem Bund von 10 Reichsstädten.
1515 schließt Mulhouse einen Bündnisvertrag mit den dreizehn Schweizer Kantonen. Am Ende des Dreißigjährigen Krieges wird ganz Elsass französisch… außer Mulhouse, das den Status einer unabhängigen Republik erhält.
Mulhouse, eine protestantische Enklave im Königreich Frankreich, unterliegt nicht dem ab 1686 auf französischem Territorium geltenden Verbot der Indienne-Produktion (Indiennes = gemusterte, bedruckte Baumwollstoffe). Das Schicksal der Stadt ändert sich 1746, als vier junge Unternehmer die erste Indienne-Manufaktur gründen: Samuel Koechlin, Jean-Jacques Schmalzer, Jean-Henri Dollfus und Jean-Jacques Feer. Als das Königreich Frankreich 1759 die Indienne-Herstellung erlaubt, hat die Mulhouser Industrie schon einen bedeutenden Vorsprung! Nun beginnt die echte Industriegeschichte der Stadt: In wenigen Jahren hat sich das kleine Handwerksstädtchen des XVIII. Jahrhunderts tiefgreifend verändert. 1798 votiert die kleine und wohlhabende Mulhouser Republik für die Vereinigung an Frankreich. 1846 gibt es in Mulhouse 45 Baumwollspinnereien. In dieser Zeit entsteht auch der Vorfahr von SACM und ALSTOM, und die erste Eisenbahnstrecke in Frankreich zwischen Mulhouse und Thann wird in Betrieb genommen (1839).
Die protestantische und paternalistisch geprägte, vorwiegend aus Freimaurern bestehende Unternehmerschicht von Mulhouse treibt zahlreiche wirtschaftliche, technische und soziale Entwicklungen voran. 1822 öffnet die erste Chemie-Hochschule in Europa, die noch heute einen exzellenten Ruf genießt. 1826 gründen 22 junge Industrieunternehmer die “Société Industrielle de Mulhouse” SIM (“ Muhouser Industriellen Gesellschaft”), die heute noch aktiv ist, und tragen so zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Mulhouser bei: Gründung des Zoologischen und Botanischen Gartens (1868), einer Kindergarten, des Krankenhauses “Hôpital du Hasenrain” (1899), der ersten Arbeitersiedlung in Frankreich (1853)... Zwischen 1870 und 1945 wechselt Mulhouse, wie das übrige Elsass, 4 Mal die Nationalität.
Die Stadt wird Ende des Zweiten Weltkrieges stark zerstört. In den 1970er Jahren wird Mulhouse von den 2 Ölkrisen schwer getroffen und muss mit ansehen, wie seine Spitzenindustrie, die Textilbranche, in asiatische Länder verlagert wird. Dennoch bleibt Mulhouse dynamisch und leitet mit der Gründung der Peugeot-Fabrik, der internationalen Ausrichtung von Clemessy und der Gründung der “Université de Haute-Alsace” (Universität Haute Alsace) seine Umstrukturierung ein. 2006 verändert die Inbetriebnahme der Straßenbahn die Vision der Stadt, und es folgt 2010 der Einsatz des ersten “Tram-Train” in Frankreich, der zwischen Mulhouse und La Vallée de Thann (30 km) verkehrt.
Mulhouse hat sich von einer grauen Industriestadt in eine attraktive Stadt mit bedeutendem kreativem Potential umgewandelt. Vieles hat sich in Mulhouse geändert, und diese zahlreichen Wendungen zeugen von der Anpassungsfähigkeit der Stadt und ihrer Einwohner. Heute zieht sie pro Jahr über 2,5 Millionen Besucher an. In Mulhouse gibt es viele Beispiele für die Umwandlung des Industrieerbes. Wenn Sie hier nicht zur Kunst kommen, kommt die Kunst zu Ihnen! Sie findet sich mitten in alten Industriebrachen, auf der Straße, an den Mauern, in den Parks ... kurz: überall da, wo man sich die Mühe macht, genauer hinzusehen.

In Mulhouse gibt es einen Park mit bedeutenden zeitgenössischen Kunstwerken. In dem 2001 am Rand des Viertels “Nouveau Bassin” angelegten Skulpturenpark befinden sich mehrere zum großen Teil von lokalen Künstlern hergestellte Skulpturen. Seit 2000 würdigt die Stadt Mulhouse jedes Jahr die Skulpturen eines Künstlers in der Stadt. Es handelt sich dabei meistens um lokale Kunstschaffende. Die Stadt kauft jedes Jahr ein Werk und verwandelt sich dadurch in eine echte, sich über die ganze Stadt erstreckende Freiluftausstellung. 2006 wurde die Inbetriebnahme der Straßenbahn genutzt, um das Interesse der Stadt an der zeitgenössischen Kunst erkennen zu lassen: Jede der beiden Linien wurde einem Künstler von internationalem Rang anvertraut. Daniel Buren, der für seine schwarz-weißen Streifen bekannt ist, die man unter anderem im Garten des Palais Royal in Paris findet, hat die Bahnstrecke der Linie 2 mit Bögen dekoriert.

Rathaus in Mulhouse

Foto: wikimedia - Jipéto

Deren Farben sind lebendig, zeigen die Haltestellen an und schaffen eine Kontinuität. Entlang der Linie 1 hat Tobias Rehberger 9 Werke aufgestellt, die die Eigenschaften der Straßenbahn unterstreichen. Auf traditionellere Weise, die aber für die Mulhouser Region ganz typisch ist, erzählen viele bemalte Mauern die Geschichte und bringen einen zum Träumen. 1698 schon hatte der Mulhouser Maler Jean Gabriel allegorische Figuren und Trompe-l’oeil-Malereien an die Fassade des Rathauses angebracht. Zu den Themen, die die Künstler inspirierten, gehören zum Beispiel die symbolträchtigen Figuren der Mulhouser Geschichte (der Wissenschaftler Jean Henri Lambert, die Gründer der ersten Manufaktur, die kleine Henriette Reber, das erste Kind, das nach dem Anschluss an Frankreich geboren wurde…).

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