Reisetipps Elsass - Strasbourger Münster

„Ein Wunder - so unermesslich, und zierlich doch zugleich“ - Victor Hugo

Das Straßburger Münster überragt den weiten, gepflasterten Platz und erscheint uns dabei wie ein Bild aus dem Mittelalter. Es steht auf den Grundmauern einer alten romanischen Basilika, die 1015 vom Bischof Wernher, aus der Familie der Habsburger, erbaut wurde. Da diese durch einen Brand zerstört wurde, wollte man an ihrer statt eine Kathedrale errichten. Indessen sollten von der Neuerrichtung des Chores im Jahre 1176 bis zur Fertigstellung der Turmspitze, die erst 1439 erfolgte, fast drei Jahrhunderte vergehen. Mit ihren 142 m war die Notre-Dame de Strasbourg bis zum XIX. Jhdt. das höchste Bauwerk der Christenheit.
Um das Jahr 1225 kam mit dem Eintreffen von Handwerkern aus Chartres eine tiefgreifende Wende in den Bauhergang. Ein Baumeister, dessen Name uns nicht überliefert ist, machte die hiesigen Steinmetze mit der Schönheit der gotischen Kunst vertraut, die in dieser Region damals noch unbekannt war. Man verdankt ihm unvergleichliche Meisterwerke, wie den Engelspfeiler und die Statuen von Kirche und Synagoge.

Bis zum 19. Jh. das höchste Bauwerk der Christenheit...

Im ausgehenden 13. Jh. wurde der Bau der Hauptfassade, die am reichsten geschmückt ist, begonnen. Die Tympanonen der drei Portale haben das Leben und die Passion Christi sowie das Jüngste Gericht zum Gegenstand. Die berühmte Darstellung des Versuchers sowie der Klugen und der Törichten Jungfrauen, die das rechte Portal schmückt, diente den Kathedralen von Freiburg und Basel als Vorbild. Auf dem linken Portal durchbohren die personifizierten Tugenden die Laster mit ihren Lanzen.

Ein doppelter Ziergiebel, überraschenderweise sehr filigran, überragt die Portale.

Eingebettet in einen Steinrahmen, der durch feine Verzierungen aufgelockert ist, erblüht vor unseren Augen die herrliche Fensterrose, die vermutlich von Erwin von Steinbach, dem zwischen 1284 und 1318 verantwortlichen Baumeister, geschaffen wurde.

Fotos: Christophe Urbain, Philippe De Rexel, Christophe Hamm - OT Strasbourg

Über ihr die zwei Türme, welche durch den erst Ende des XIV. Jhdts. errichteten Belfried verbunden werden. Diese dominieren die Plattform, von der aus Sie -wenn Sie die 329 Stufen erklommen haben- die großartige Aussicht auf Straßburg und Umgebung genießen können. Die Aussichtsplattform überragt auf der Nordseite der achteckige Turm mit seiner filigran durchbrochenen Spitze, ein Werk des Bildhauers Johann Hültz.
Die rechte Frontseite trägt das schöne romanische Portal, von allen Portalen das älteste, das von Nachbildungen der berühmten Statuen von Kirche und Synagoge umrahmt wird. Die Originale befinden sich im Museum der Oeuvre Notre-Dame. Das Tympanon des linken Portals zeigt einen beeindruckenden "Tod der Jungfrau", der schon die Bewunderung von Delacroix hervorrief. Auf dem Tympanon der rechten Tür ist die Krönung der Jungfrau dargestellt. Das an der linken Frontseite befindliche Portal ist auf das Ende des XV. Jhdts. datiert und dem Heiligen Lorenz gewidmet, dessen Martyrium -eine moderne Replik- wir oberhalb der Tür bewundern können.
Das Kirchenschiff, von dem der Kathedrale St.-Denis beeinflußt, wurde in zwei Zügen, zwischen 1240 und 1275, erbaut und beeindruckt durch die Harmonie ihrer Proportionen. Die Mehrzahl der ursprünglichen Glasarbeiten sind unversehrt und der Gold-glanz ist auf die lichten Töne zurückzuführen, die die Straßburger Glasmachermeister damals bevorzugt verwendeten. Die älteste das Schiff verzierende Glasmalerei ist aus dem XIII. Jhr. und befindet sich im nördlichen Seitenschiff. Sie stellt einen Zug von deutschen Königen und Kaisern dar. Die Jungfrau im Chor und die Fensterrose der Münsterfassade sind modernen Ursprungs.
Im XIV. Jhdt. wurde das Kirchenschiff um die Kapelle Ste-Catherine, deren herrliche Glasmalereien aus ebendieser Zeit das Leben Jesu zeigen, und um die Kapelle St. Laurent (deren Glasfenster die der alten Dominikanerkirche sind) erweitert. Im nördlichen Kreuzflügel findet man einen wundervollen "Ölberg", der im Jahr 1498 entstanden ist, sowie das Taufbecken im spätgotischen Stil (1453). Die ältesten im Münster vorzufindenden Glasfenster stammen aus der ursprünglichen Basilika, und stellen die zwei Heiligen Johannes, sowie das Urteil des Salomon dar.

Am Ende des Kreuzflügels befindet sich die St. Jean-Baptiste-Kapelle, in der das prächtige Grabmal des Bischofs Conrad von Lichtenberg zu bewundern ist, sowie ein Epitaph von Nicolas Gerhaert von Leyde (1464), das einen betenden Domherrn vor der Jungfrau mit dem Jesuskind zeigt, eine anrührende Darstellung.

Die Kanzel, ein beeindruckendes Beispiel des spätgotischen Stils…

Im Kirchenschiff auch die von Hans Hammer geschaffene Kanzel, welche die Spätgotik in beeindruckender Weise veranschaulicht. Das Orgelgehäuse, das bizarre Figuren zieren, stammt ebenfalls aus der Zeit des Spätmittelalters. Die beweglichen, sprechenden Figuren beschimpfen den Offizianten respektlos mit Schmähreden, damals eine unerhörte Attraktion.

Neue Lichtinszenierung

Seit Oktober 2016 ziert eine neue dauerhafte Lichtinszenierung das Straßburger Münster. 500 diskret am Bauwerk angebrachte Lichtpunkte unterstreichen den außergewöhnlichen Reichtum architektonischer Formen und setzen den rosafarbenen Sandstein und die bildhauerischen Details der Skulpturen gekonnt in Szene.

Die Projektdesigner des Unternehmens L’Acte Lumière in Lyon haben eine drei Phasen umfassende Lichtinszenierung für die nächtliche Beleuchtung des Münsters entworfen:

- von der Abenddämmerung bis 22 Uhr: mehrstufige Lichtinszenierung des Bauwerks;

- von 22 Uhr bis 1 Uhr: gleichförmige Gesamtbeleuchtung des Bauwerks; regt dazu an, den Blick zu heben;

- von 1 Uhr bis Sonnenaufgang: Beleuchtung lediglich des oberen Teils des Bauwerks, damit dieses leuchtturmartig im gesamten Ballungsraum sichtbar bleibt.

Die Astronomische Uhr und der Engelspfeiler, Wunderwerke des Münsters…

Die Astronomische Uhr

Die Astronomische Uhr

Foto: Philippe De Rexel - OT Strasbourg

Im südlichen Seitenschiff belebt wiederum eine andere, heute noch funktionierende Mechanik die Astronomische Uhr. Dieses aus der Reformationszeit datierende Kunstwerk wurde gegen 1574 von einer Gruppe von Schweizer Uhrmachern ersonnen.

Seit der Revolution von 1789 außer Betrieb, verlieh ihr Jean-Baptiste Schwilgué 1842 wieder neues Leben. Er bereicherte die Uhr um ein kopernikanisches Planetarium und die liturgische Kalenderrechnung. Jeden Tag um 12.30 Uhr setzt sich die Automatenmechanik in Bewegung, und zieht die Blicke auf sich. Dann sieht man wie die Apostel, unter dem Flügelschlagen und Krähen eines großen Hahns, an Christus vorüberziehen. Darunter sehen wir die vier Lebensalter, dargestellt in der Verkörperung des Kindes, des Jugendlichen, des Erwachsenen und des Greises, die zu jeder Viertelstunde am Tod vorbeiziehen.

Vor der Uhr, der herrliche Engelspfeiler, der in einer sehr schöpferischen Weise das Jüngste Gericht repräsentiert, denn er zeigt eine Figurengruppe, welche Christus als Richter, die vier Evangelisten, und die Trompeten blasenden Engel, das Jüngste Gericht verkündend, umfaßt. Am hinteren Ende des südlichen Kreuzarms liegt die Kapelle St.-André, die aus dem ausgehenden XII. Jahrhundert stammt. Sie ist die älteste der Kapellen des Münsters. Von hier aus gelangt man zur Apsis-Galerie.

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